In Abwandlung des geflügelten Wortes aus dem Qualitätsmanagement
„Wenn Siemens wüsste was Siemens weiß..“ möchte ich rückblickend auf meine Zeit
bei den Wickmann-Werken sagen: „Wenn Wickmann gewusst hätte was Wickmann
wusste……“
In den 88 Jahren des Bestehens der Wickmann-Werke als Produzent
von Schutzbauteilen für elektrische und elektronische Anlagen und Geräte
(Geräte-Schmelzsicherungen war nur ein Teilgebiet) wurde ein umfangreicher
Wissensbestand in Produktion und Entwicklung erarbeitet. Dabei ist nicht nur
die Entwicklung neuer Produkte zu berücksichtigen, sondern auch (oder, wie ich
meine, vor allem) die Arbeiten in der Grundlagenforschung. Der Beitrag der
Wickmann Werke zur Weiterentwicklung des Überspannungs- und Überstromschutzes
ist in der Bauteilgeschichte weltweit von großer Bedeutung. Eine Würdigung
dieser herausragenden Leistung ist in vollem Umfang kaum möglich. Dennoch soll
an einem ausgewähltem Einzelthema versucht werden diesen historisch wichtigen
Beitrag der Wickmann Werke zu verdeutlichen.
Ein herausragendes Thema sind alle Arbeiten zu Schmelzleitern in
„Schichttechnik“ (Dünnschicht- oder Dickschichttechnik) und den daraus
resultierenden Chip-Sicherungen.
Die Firma Wickmann war sicherlich nicht die Erste die, am Ende
der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts, Sicherungen mit
Dünnschicht-Schmelzleiter vorstellte. Das dabei erworbene und in den folgenden
fast 40 Jahre weiterentwickelte Grundwissen ist, nach meinem Kenntnisstand, bis
heute kaum übertroffen worden.
Im Fogenden soll versucht werden, die Bedeutung dieser Arbeiten
in einer Gegenüberstellung einfacher Grundlagen der Drahtschmelzleiter und der
Schichtschmelzleiter zu verdeutlichen. Es soll gezeigt werden, dass sich mit
dem grundlegenden Wechsel der üblichen Denkmodelle jenseits der
Drahtschmelzleiter (Paradigmenwechsel) völlig neue Möglichkeiten im Schutz
gegen die Überlastung el. Schaltkreise eröffnen. Mit Dick- oder
Dünnschichtschmelzleitern lassen sich die Modelle physikalischer Abläufe bei
Schmelzsicherungen besser entwickeln und damit ihre Nutzung gezielter und
vielfältiger verwirklichen.
(Die folgenden Darstellungen sind als Beitrag zur
geschichtlichen Bedeutung der Wickmann Werke zu verstehen. Auf Details zur
Konstruktion und Auslegung von Schmelzsicherungen wird daher nicht eingegangen.
Basis des Dargestellungen sind Schulungs- und Informationsunterlagen, die für
den externen Gebrauch bei Wickmann-Kunden erstellt wurden. Eine entsprechende
Genehmigung hierzu liegt vor)
Einfache Überlegungen zur Physik der Schmelzleiter
Drahtschmelzleiter
Der Wärmehaushalt
Mit dem eher weniger wissenschaftlichen Begriff des
„Wärmehaushaltes“ wird im Allgemeinen ein Betrachtungsmodell statischer und
dynamischer Wärmezustände eines Objektes – in diesem Fall einer
Schmelzsicherung - bezeichnet. Wie in einem Haushalt werden Zu- und Abgänge,
oder in diesem Fall Wärmeerzeugung und Wärmeabgabe, in Relation gesetzt. Das
jeweilige Ergebnis beschreibt den aktuellen Betriebszustand der
Schmelzsicherung. Dauerlastbetrieb, Grenzlastbetrieb oder Überlastbetrieb ist
gekennzeichnet durch die Relation von erzeugter Wärme zu abgegebener Wärme.
In jedem
stromdurchflossenen el. Widerstand wird Leistung [P] umgesetzt und u. A. eine
Wärmemenge [Q] erzeugt.
Dabei verhält sich das
Produkt aus Strom und Widerstand (Leistung P = I2*R) proportional
zur erzeugten Wärme. Der Schmelzleiter der Sicherung ist in diesem System von
Schmelzleiter, Gehäuse, Füllmedium und Anschlüssen der dominante el.
Widerstand. Wird er von Strom durchflossen, wird die in ihm erzeugte Wärme an
das System abgegeben und/oder akkumuliert. Der Grad der Wärmeakkumulation
wiederum ist umgekehrt proportional zur Schmelzzeit und hängt stark von den
Möglichkeiten des Schmelzleiters ab, seine Wärme an das System abzugeben. Dabei
ist neben Konvektion und Strahlung die Wärmeleitung über Wärmewiderstände und
-kapazitäten maßgebend. Was mit der erzeugten Wärme geschieht, wohin sie fließt
und/oder ob sie akkumuliert wird, nennt man den „Wärmehaushalt“. Der Begriff
Wärmehaushalt ist eine einfache Bezeichnung für ein äußerst komplexes,
interdependentes System, das im Wesentlichen aus Wärmewiderständen und
Wärmekapazitäten besteht.
Unterschiede der
Kontaktierung Schmelzdraht/Sicherungskontakt oder Sicherungskontakt/Elektronik
sowie Streuungen der Wärmespeicher-Füllmenge oder Lotmenge in der Sicherung können
zu starken Streuungen des Wärmehaushalts führen und damit den Überlastbereich
der Strom-Zeit-Kennlinie (It-Kennlinie) zur einen oder anderen Seite
verschieben d.h. im ungünstigsten Fall aus dem zu schützenden Bereich!
Während die Erzeugung der Wärme über die umgesetzte Leistung im
Schmelzleiter noch recht einfach zu bestimmen ist, wird die Betrachtung der
Wärmeabgabe erheblich komplizierter. Wärmeübergänge, Wärmeleitung und
Wärmekapazitäten des Schmelzleiters, der Kontakte und des Füllmediums bis hin zur
Wärmeinteraktion mit benachbarten Bauelementen machen eine exakte, theoretische
Erfassung der Thermodynamik des jeweils aktuellen Betriebszustandes zumindest
sehr aufwendig (gelinde ausgedrückt).
Eine nicht unerhebliche Rolle in diesem komplexen Gebilde spielt dabei der
Schmelzleiter selbst. Die gute Wärmeleitung und die kleine spez. Wärmekapazität
des Schmelzleitermaterials haben trotz der rel. geringen Masse einen spürbaren
Einfluss auf die Funktion der Schmelzsicherung.
Die Belastung
Der Draht des Schmelzleiters stellt elektrisch einen Widerstand
dar. Die in ihm umgesetzte Leistung entspricht einer bestimmten Wärmemenge.
Dieser Wärmemenge kann eine Temperatur T zugeordnet werden. Entsprechend des
Wärmeinhalts des Schmelzleiterdrahtes ließe sich grundsätzlich nach
T=Q/c·m (T= Temperatur; Q=Wärmeinhalt; c =
Wärmekapazität; m=Masse)
diese Temperatur berechnen.

Obwohl der Draht einen über seine
gesamte Länge und seine Homogenität vorausgesetzt gleichmäßigen el. Widerstand
hat und sich somit auch gleichmäßig aufheizen müsste ist im letzten Bild eine
Verschiebung der Aufheizzone zu erkennen.
Die Ursache dafür, dass die Aufheizung asymmetrisch ist, ist die Wärmeleitung
in die, in diesem Fall „nur“ gebondeten, Anschlüsse. Das rechte Bild zeigt
diese Asymmetrie der Erwärmung besonders deutlich.
Die asymmetrische Erwärmung lässt daher u.U. auf eine schlechtere Wärmeabgabe
(Wärmeleitung) über die rechte Kontaktstelle in das Basismaterial schließen.
Dass die Abmessungen des Schmelzleiterdrahtes und seine
Materialeigenschaften wie spez. Wärmekapazität und spez. Wärmeleitfähigkeit
eine nicht unerhebliche Rolle für die Erwärmung und letztlich für die Funktion
der Sicherung zeigen auch folgende Grundformeln:
Der Wärmewiderstand θ=
L/kF [W/mK] (θ = Wärmewiderstand; L=Drahtlänge;
F=Querschnittsfläche; k=spez.Wärmeleitfähigkeit)
und die Wärmekapazität C=cp*m [kJ/kgK] (C= Wärmekapazität; Cp = spez.Wärmekapazität; m=Masse).
Beide Grundformeln zeigen, dass Material und Abmessung des
Schmelzleiterdrahtes den Wärmehaushalt dominant mitbestimmen. Die mathematische
Erfassung dieser Vorgänge ist in der Geschichte bereits häufig versucht worden.
Ziel war immer die Berechnung von Strom-Zeit-Kennlinien (It-Kennlinien), der
Abschmelzvorgänge und die Bereitstellung von Grundlagen für
Lebensdauerbetrachtungen. Nach meinen Unterlagen hat Dr. Ing. G.J. Meyer
bereits 1906 solche Berechnungen angestellt. Die letzte mir bekannte Arbeit zur
Berechnung einer I-t-Kennlinie stammt aus dem Jahr 2001. In einem Vortrag an
der TU-Braunschweig stellt M. Lindmayer seine Arbeit vor:
„Die 3D-Berechnung
des Stromfluß- und Erwärmungsvorgangs von Sicherungen ermöglicht die Vorherberechnung
deren Strom-Zeit-Kennlinien, vom Millisekunden- bis in den Stundenbereich. Der
Wärmehaushalt von Niederspannungs-Schaltgeräten wird durch eine
dreidimensionale Finite-Elemente-Simulation auf der Basis eines
Strömungsberechnungsprogramms nachgebildet “
(Manfred Lindmayer, TU-Braunschweig, Oktober 2001)
Dass der Wärmehaushalt bis in den Millisekundenbereich der
I-t-Kennlinie wirksam ist, zeigten Momentaufnahmen von Abschaltvorgängen mit
hohem Überstrom (Kurzschluss). Je nach Konstruktion wird der adiabatische
Zustand erst bei Schmelzzeiten von t<5mS erreicht. Erst dann wird keine
Wärme mehr an die Umgebung abgegeben (Wärmestrahlung ausgenommen) und der
Schmelzleiter explodiert quasi über eine Länge gleichen el. Widerstands.
Aber auch Belastungen mit Strompulsen führen zu Materialveränderungen im
Schmelzleiterdraht und der Kontaktierung wobei Pulsbelastungen - wg. ihrer
Relevanz für die Gerätesicherheit - besonders problematisch sind. Ich werde
später darauf zurückkommen.
Die eingesetzte Finite-Elemente-Simulation habe ich ebenfalls
2001 bei Prof. Löbel an der TU-Dresden kennengelernt. Die Ergebnisse waren
immer zufriedenstellend wenn, ja wenn die Randbedingungen konstant waren. Aber
die gute, dominante Wärmeleitung und die kleine spez. Wärmekapazität des
Drahtes sowie schwer beherrschbare Kontaktierungen haben in der Praxis einen
hohen Einfluss auf die Funktion einer Schmelzsicherung mit Drahtschmelzleiter
(wie weiter unten gezeigt wird).
Hinzu kommen noch Materialveränderungen (z.B. Korngrenzoxidation in
Legierungen) im Schmelzdraht und der Kontaktierung die in unterschiedlicher
Ausprägung, je nach Belastung, zu immer neuen Verhältnissen führen.
Das Bild zeigt einen
Schmelzdraht nach einer Grenzbelastung.

Diese offensichtlichen Materialveränderungen sind noch
dramatischer bei Schmelzdrähten, die aus Materialkombinationen bestehen, da
hier schon bei geringen Temperaturen Diffusionsprozesse Einfluss nehmen. Das
erste Fickschen Gesetz drückt den grundsätzlichen Zusammenhang der
Einflußgrößen aus:
J
= 1/F*dm/dt = -D*dc/dx
Dabei bezeichnet J den Materialfluß d.h. die Menge Metall m, die
bei konst. Temperatur in der Zeit t durch eine Fläche F auf einer Ebene
senkrecht zur Diffusionsrichtung wandert.
Tatsächlich sind Diffusionsvorgänge erheblich komplexer und,
nach meinem Kenntnisstand, bei der Untersuchung der Alterung von
Sicherungsschmelzleitern aus mehrfach Metallen noch nie theoretisch erfasst
worden.
Ich hoffe dennoch, dass die vereinfachten und stark verkürzten
Ausführungen eine Ahnung von der Problematik der Drahtschmelzleiter vermitteln
konnten. Der Fachmann wird im individuellen Anwendungsfall nähere Auskunft geben
können.
Die Funktion von Schmelzsicherungen basiert immer auf dem
Schmelzen von el. gut leitenden Metallen. Es hat sich im Verlauf der Geschichte
jedoch gezeigt, dass die Dominanz des Drahtes und seiner Kontaktierung im
dynamischen Verhalten mathematisch kaum erfassbar ist (der Einfluss von
Füllmedien wurde dabei noch nicht betrachtet) . Da diese Dominanz letztlich
nicht oder schlecht berechenbar ist wurde bei Wickmann versucht andere,
leichter berechenbare Konstruktionen zu finden. Damit war EINE Voraussetzung
für die Entwicklung von Dick- und/oder Dünnschichtschmelzleitern geboren.
Schichtsicherungen sind i.d.R. metallische, auf
einen Träger (Substrat) aufgebrachte Leiterbahnen die geometrisch mit einer
Engstelle (hot spot) versehen sind. Je nach Technologie und angestrebten
Nennstrom kommen verschiedene Substratmaterialien zur Anwendung. Im
Dünnschichtbereich (D<5µm) mit Nennströmen von In<0,5A werden meist
Kunststoffe, z.B. Leiterplattenmaterial FR4 eingesetzt.
Der Nennstrombereich von In>0,5A benötigt wg. der
höheren Dauerlast wesentlich bessere Wärmeleitungen der Substratmaterialien.
Schmelzleiter werden daher i.d.R. als Dickschicht auf Keramiken wie Al2O3
oder Glaskeramik aufgebracht. Die folgende Betrachtung macht einmal mehr die
grundsätzlichen Zusammenhänge deutlich und stellt die Substratmaterialien Al2O3
und Glaskeramik gegenüber.
Die gute Übereinstimmung von Theorie und
Versuchsergebnissen lassen eine Übertragung der Grundlagen zur Nenn- bzw.
Grenzstrombestimmung auf mögliche Leiterbahnsicherungen zu (die Möglichkeit von
integrierten Leiterbahnsicherungen wird an anderer Stelle beschrieben).
Dickschichtschmelzleiter
Bedeutung des Wärmehaushaltes
Anders als Sicherungen, die einen in
Luft oder Sand geführten Drahtschmelzleiter haben, sind Sicherungen mit
Schichtschmelzleiter in einem engen und intensiven Wärmekontakt mit ihrem
Trägersubstrat. Der Aufheizprozess des Substrates bei Strombelastung des
Schmelzleiters erfolgt im Wesentlichen über die im Ersatzschaltbild
dargestellten Wärmewiderstände und Wärmekapazitäten.

Dabei bezeichnen RthSeg. und
CthSeg. die Wärmewiderstände
bzw. -kapazitäten des Substratsegmentes unter dem Schmelzleiter sind (siehe
Zeichnung weiter unten). Als Reihenschaltung dazu sind die Wärmewiderstände bzw.
-kapazitäten des Restsubstrates eingezeichnet. Die aus einer Ag-Schicht
realisierten Anschlußvolumina sind als parallel geschaltete Wärmewiderstände
bzw. -kapazitäten zu sehen. Vorhandene parasitäre Wärmeabgaben, z.B. von den
Anschlußflächen in das Substrat werden in diesem Modell nicht berücksichtigt.
Auf weitere, vereinfachende Voraussetzungen wird im Verlauf der Darstellung
hingewiesen.
Die Besonderheit, dass der
Wärmewiderstand und die Wärmekapazität unter dem Schmelzleiter gesondert betrachtet
werden, erlangt besondere Bedeutung in der Abschätzung der
Auslegungsmöglichkeiten träger, indirekt beheizter Schmelzleiter.
Dieses Segment wird, bedingt durch die
direkte Wärmeabgabe des Schmelzleiters an das Substrat, zeitlich gesehen als
erstes aufgeheizt. Der Wärmewiderstand des Segments errechnet sich nach
![]()
aus „Handbook of Thick Film Hybrid Microelektronics“ von C.A.
Harper
Die Gleichung beschreibt den
Wärmewiderstand des zweidimensionalen Hyperbelsegmentes entlang der
Wärmestromlinien unterhalb des Schmelzleiterelementes, wobei in der Literatur
von einem punktförmigen Heizelement mit
kreisförmigen Wärmepotenzialebenen ausgegangen wird. Schichtdicke (L) und
Schichtbreite werden hier in der Relation 1:1 vorausgesetzt, so dass sich ein
Winkel von 45° für die Segmentschenkel ergibt.
Die rel. zur Heizelementlänge extrem
dünne Schichtdicke macht die Annahme
eines Linienelementes mit elliptischen Wärmepotenzialen notwendig. Die daraus
resultierende Verlagerung des
Hyperbelbrennpunktes nach außerhalb der Schicht ist in der folgenden
Schemazeichnung dargestellt.

Wobei LH die von Harper
vorausgesetzte Schichtdicke {mit der Relation Schichtdicke (LH)
/Schmelzleiterlänge (g)} und L die in der vorliegenden Modellrechnung
eingesetzte, angenommene Schichtdicke ist.Das den Wärmewiderstand bestimmende
Hyperbelsegment ist als zweidimensionales Flächensegment angenommen. Eine
dreidimensionale Segmentberechnung (Rotationshyperboloid) ist mathematisch sehr
viel schwieriger. Auf sie wurde, auch wegen der geringen Schmelzleiterbreite
von 0,1mm-0,2mm, verzichtet. Der parallele Wärmefluss vom Segment in das
Restsubstrat wurde ebenfalls unberücksichtigt gelassen.
Die folgenden Untersuchungen wurden mit
Layouts nach der folgenden Prinzipdarstellung für superflinke Schmelzleiter
durchgeführt :
|
|
Die
Wärmewiderstände und -kapazitäten der Anschluß- und Substratvolumina errechnen
sich (in Analogie zur Elektrotechnik) aus den Grundgleichungen :
Wärmewiderstand
[°C/W]
Wärmewiderstand
ges.
[°C/W]
Wärmekapazität
C = cp * m [cal/gK]
Zeitkonstante t = C * Rth [Sek.]
transiente Widerstandsänderung
[°C/W]
(L = Leiterlänge, F=Leiterquerschnittfläche, m= Masse, Cp=spezifische
Wärmekapazität, C=Wärmekapazität und
= Wärmeleitfähigkeit )
Für ein linienförmiges Schmelzleiterelement von 0,6mm Länge
ergeben sich für das Substratmaterial CT700 der Firma Heraeus auf einer
Chip-Größe von 1206 folgende Werte :
|
Substrat- material |
Chip-Abmessung L*B*D [mm] |
Wärmewid. Substrat [°C/W] |
Wärmewid. Anschlüsse [°C/W] |
Wärmewid. Sub.Segment [°C/W] |
Zeitkonstante Substrat t [Sek.] |
Zeitkonstante Sub. Segment t [Sek.] |
Zeitkon-stante Anschl. t [Sek.] |
|
CT700 |
3,05*1,52*0,6 |
810,2 |
380,4 |
230,6 |
4,25 |
0,3 |
0,009 |
|
Al2O3 |
3,05*1,52*0,6 |
112,5 |
380,4 |
32,1 |
0,59 |
0,042 |
0,009 |
Die Gegenüberstellung der
Wärmewiderstände der verwandten Glaskeramik zu denen der Al2O3 -Keramik
macht deutlich, daß ein hoher Anteil der auf Al2O3 erzeugten Wärme in die Wärmesenken der
Montagelötstellen abgeführt wird. Die Zeitkonstanten der Keramik kommen bei Al2O3
bereits in die Größenordnung der Anschlußschichten. Um gleiche
Temperaturen zu erreichen, muß auf der Al2O3 Keramik etwa die dreifache Leistung (ca. 3W)
umgesetzt werden. Die damit verbundene höhere Temperaturbelastung des gesamten
Chips und die dazu notwendigen etwa zweimal höheren Schmelzleiterwiderstände
lassen einen Einsatz dieser Keramik für Chip-Sicherungen nicht zu.
Die große Differenz der Zeitkonstante
des Substratsegmentes zu der der Anschlußflächen bzw. des Gesamtsubstrates
bewirkt eine schnelle Aufheizung des Schmelzleiterelementes ohne die
Montagelötstellen unzulässig zu erwärmen. Damit wird allgemein der
Auslegungsspielraum für die Widerstandsrelation Ranschluß /
RSchmelzleiter größer.
Die Tauglichkeit der vorgestellten
Modellrechnung für die Abschätzung der Auswirkung von Layoutvariationen wurde
durch den Vergleich empirisch ermittelter Temperaturwerte mit den
gerechneten Werten entsprechend des
Zusammenhangs
[°C] überprüft.
Die
folgende Grafik zeigt trotz der beschriebenen Vereinfachungen eine brauchbare Übereinstimmung
der Belastungs-/Temperatur Werte :

Die teilweise etwas
geringeren Werte der errechneten Temperatur sind darauf zurückzuführen, dass
die als Wärmesenken angenommenen Montagelötstellen als unendlich groß, also
ohne Eigenerwärmung angenommen wurden. Ebenso wurde eine Aufheizung des
Substrates durch einen Leistungsanteil der Anschlussflächen nicht
berücksichtigt. Andererseits sind die gemessenen Werte durch den rel.
schlechten Wärmekontakt und die Wärmekapazität des eingesetzten Thermoelements
kleiner als die tatsächlich existierenden Werte. Beide Fehlerarten heben sich
offensichtlich annähernd auf.
Als Nachteil der
hohen Wärmewiderstände und der damit verbundenen starken lokalen Aufheizung der
Schmelzleiterschicht sind auch bei geringeren Belastungen die TK bedingte große
Widerstandsänderung und eine vermutlich größere Abschaltzeitstreuung bei
kleinen Überströmen zu nennen. Vor allem letzterer Effekt ist bisher noch
nicht ausreichend untersucht worden.
Die Ergebnisse
zeigen nicht nur eine brauchbare Theorie/Praxis-Korrelation, sie lassen auch
Nenn- bzw. Grenzstromabschätzungen verschiedener Schmelzleitergeometrien und
Substratmaterialien zu. Die folgende Formel wurde bereits 1983 erfolgreich
angewendet:

Das hier eine
Nennstromberechnung bzw. -abschätzung vorgegeben ist hängt mit der Kennlinie
zusammen. Die Forschungen bezogen sich 1983 im Wesentlichen auf
Gerätesicherungen mit superflinker Kennlinie. Hier fallen wg. der sehr steilen
Kennlinie Nenn- und Grenzstrom fast
zusammen.
Die Untersuchungen haben gezeigt, dass Basismaterial (Substrat) und
Schmelzleiterstruktur einen erheblichen Einfluss auf den Grenzstrom (Nennstrom)
und das Abschaltverhalten im Überstrombereich haben. Auf der folgenden Seite
bilden diese Erkenntnisse die Basis für Untersuchungen an integrierten
Leiterbahnsicherungen. Zielführend ist dabei aber Möglichkeiten der
Schmelzleiterstrukturierung zu untersuchen und so Wege bedarfsorientierter,
optimaler Schmelzleiterauslegung zu finden.
Das Thema ist etwas umfangreicher. Um es rel. praxisnah zu beschreiben wird die
Ausarbeitung daher auf einer gesonderten Seite fortgesetzt.
Das Thema der Integrierten
Leiterbahnsicherungen wird gesondert behandelt. Über Möglichkeiten der
Realisierung eines angepassten
Überstrom- oder Kurzschlussschutzes durch
eine spezielle Gestaltung der Leiterbahn gibt es kaum Informationen. In
früheren und aktuellen Diskussionen bin ich so vielen unterschiedlichen
Vorurteilen und einem hohen Maß an Unkenntnis begegnet, dass ich mich zu einer
etwas ausführlicheren Darstellung von realistischen Lösungen und deren Gefahren
entschlossen habe.