Gedanken zum
Qualitäts- und Wissensmanagement
Eine kurze
Geschichte der Idee des Qualitätsmanagement und:
DIN ISO 9000 - Was ist
Wissen -
Möglichkeiten der
Qualitätssicherung in der Sicherungsfertigung
![]()
"Qualität bedeutet, dass der Kunde und nicht die Ware zurückkommt."
Hermann Tietz (1837-1907), deutscher
Kaufmann
Diese Weisheit ist nach wie vor aktuell und doch greift sie in vielerlei
Hinsicht zu kurz. Die hohe Qualität eines Produktes oder einer Dienstleistung
wird heute als selbstverständlich vorausgesetzt (von einigen Billigprodukten
abgesehen).
Die Frage ist: Wie wird Qualität erreicht?
Als ich 1971 meinen beruflichen Werdegang in einer Produktionsfirma von
elektronischen Bauteilen begann, wurde die Qualität der Produkte im
Wesentlichen durch "Aussuchen" erreicht. Dabei wurden am Ende des
Produktionsprozesses fehlerhafte Teile durch mehr oder weniger geeignete Prüfungen
ausgesucht. Diese Methode hatte und hat mehrere erhebliche Nachteile:
- Viele Eigenschaften eines Bauteils lassen sich nur durch zerstörende
Prüfungen überwachen.
- Jede Prüfung hat eine statistische Basis, insofern muss immer mit einem
"Schlupf" fehlerhafter Bauteile gerechnet werden.
- Viele Prüfungen standen am Ende des Produktions- und damit auch am Ende des
Wertschöpfungsprozesses.
- Die hohen finanziellen und materiellen Verluste mussten durch den
Verkaufspreis aufgefangen werden.
Es drängte sich die Frage auf: Warum werden fehlerhafte Teile überhaupt
produziert? Und: Kann man einen Prozess nicht so optimieren, dass Fehler
vermieden werden?
Diese Fragestellung war bzw. ist nicht neu, aber vor allem ist sie universell.
Universell, weil jede Ware oder Dienstleistung, die in einer Folge
verschiedener Tätigkeiten geschaffen bzw. erbracht wird, ihre Fehlerursachen im
Prozess ihrer Erstellung selbst hat. Fehlervermeidung ist daher der
Grundgedanke jeder Qualitätsphilosophie. In einer Produktion bedeutet dies, dass
Qualität und Zuverlässigkeit bereits durch Entwicklung und Konstruktion in
Produkt und Prozess eingebaut sind.
An dieser Stelle scheint mir ein kurzer geschichtlicher Rückblick sinnvoll:
Es ist wahrscheinlich eine Ironie der Menschheitsgeschichte, dass wesentliche
Fortschritte oft durch Kriege erreicht bzw. ausgelöst werden. Das gilt auch für
die Qualitätssicherung und das daraus entstandene Qualitätsmanagement.
Bereits in den dreißiger Jahren hatte man in den USA (natürlich aus
Kostengründen) konsequent auf die Nutzung statistischer Hilfsmittel zur
Sicherung der Produktqualität gesetzt. Besondere Bedeutung erlangte dieser
Ansatz im Verlauf des Zweiten Weltkrieges. Die amerikanische Regierung bestand
auf eine bedingungslose Qualitätssicherung für alles Kriegsmaterial.
Vordenker war der Amerikaner W. Edwards Deming (geb. 14.10.1900 in Iowa). Für
Deming war die Statistik das Herz der Qualitätssicherung. Er war davon
überzeugt, dass 94 % aller Fehler durch ein unvollkommenes System von
ineinander greifenden Produktionsbedingungen hervorgerufen werden. Er war
sicher, dass für dieses System, das den Rahmen aller Prozesse darstellt, das
Management verantwortlich ist. Aus dieser Erkenntnis der
Managementverantwortung entstand in den achtziger Jahren die Institution des
Qualitätsmanagements. Der universelle Ansatz, das Einbeziehen des gesamten
Unternehmens, ist heute unter dem Begriff des "Total Quality
Management" (TQM) bekannt.
Aber zurück zu Deming. Wie häufig gilt der Prophet im eigenen Land nichts. Nach
dem Krieg 1951 ging Deming nach Japan. Die Phase des wirtschaftlichen Aufbaus
und die japanische Mentalität (das Streben nach Perfektion) waren ein idealer
Nährboden für seine Qualitätsphilosophie. Hier entwickelte und realisierte er
die Idee der ständigen, systematischen Qualitätsverbesserung. Zusammen mit den
gleichzeitigen Arbeiten des in den USA schaffenden Rumänen Joseph M. Juran
wurde sowohl die Philosophie der modernen Qualitätssicherung als auch ihre
Methodik begründet. Total Quality Management oder Continuoeus Improvement sind
heute ebenso wie die Hilfswerkzeuge Fishbone-Chart oder Pareto-Chart geläufige
Begriffe der Qualitätssicherung bzw. des Qualitätsmanagements. Mit diesen
Arbeiten wird aber auch der Grundgedanke der modernen QM-Norm, der heutigen DIN
ISO 9000:2000, geboren.
Erst in den siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts konnte
diese Philosophie und Methodik in den USA und dann in Europa Fußfassen.
Deming und seine Qualitätsphilosophie wurden 1980 durch eine Dokumentation der
NBC dem Rest der Welt bekannt. In dieser Dokumentation wurden auch Demings
formulierte 7 Stolpersteine und 7 Todsünden des Qualitätsmanagements bekannt.
Interessant ist, dass zu den Todsünden durchaus aktuell gebräuchliche
Managementregeln gehören, wie z. B.
.
2.
Todsünde:
Suche nach schnellem Erfolg
3.
Todsünde:
Mitarbeiterbeurteilung, Erfolgsprämien, Leistungsausweise
4.
Todsünde:
Job-Hopping (der Manager)
5.
Todsünde:
Management nach Zahlen
.
.
Dr. René Bondt, 11.9.2000, The Swiss
Demming Institute
"Schon 1979 hat das British Standard Institute (BSI) seine
Norm BS 5750 für QM-Systeme herausgegeben ... 1987 übernahm dann das
International Office of Standardisation (ISO) in Genf die Richtlinien nahezu
vollständig und gab sie als ISO 9000-Serie heraus."
Winfried Glaap, ISO 9000 leichtgemacht,
Hanser Verlag 1996
Seitdem entstand Norm auf Norm: Die EU übernahm 1990 die ISO 9000 in die EN
29000-Normen. Die EN 45000 legte die Richtlinien für die Zertifizierung fest.
In der ISO 8402 wurden die Begriffe des Normenwerkes festgelegt. Die ISO 9000
unterteilte sich in ISO 9001, 9002, 9003 und 9004. Es entstanden die
Ergänzungen ISO 9000-1, 9000-2 und 9000-4. Wobei sich die ISO 9004 ebenfalls
wieder unterteilte.
Im Folgenden sind die Normeninhalte mit einem Satz kurz
erläutert:
- 9000-1 Leitfaden zur Auswahl und Anwendung
- 9000-2 Allgemeiner Leitfaden zur Anwendung der ISO 9000 ff
- 9000-3 Leitfaden zur Anwendung von ISO 9001 auf die Entwicklung
- 9000-4 Leitfaden zum Management von Zuverlässigkeitsprogrammen
- 9004 Übergeordneter Leitfaden Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung
- 9004-2 Leitfaden für Dienstleistungen
- 9004-3 Leitfaden für verfahrenstechnische Produkte
- 9004-4 Leitfaden für Qualitätsverbesserungen
- 9004-7 Leitfaden für Konfigurationsmanagement
Das Kernstück, die ISO 90001-9004, untergliedert sich wie folgt:
|
ISO 9004 |
|
Zugehörige Abschnittsnummern |
|
|
|
|
|
|
9001 |
9002 |
9003 |
|
|
4 |
Verantwortung der Leitung |
4.1 |
4.1 |
4.1 |
|
|
5 |
Qualitätsmanagementsystem |
4.2 |
4.2 |
4.2 |
|
|
5.4 |
Interne Qualitätsaudits |
4.17 |
4.16 |
|
|
|
6 |
Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen |
|
|
|
|
|
7 |
Vertragsprüfung |
4.3 |
4.3 |
|
|
|
8 |
Designlenkung |
4.4 |
|
|
|
|
9 |
Beschaffung |
4.6 |
4.5 |
|
|
|
10 |
Prozesslenkung |
4.9 |
4.8 |
|
|
|
11 |
Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit |
4.8 |
4.7 |
4.4 |
|
|
|
von Produkten |
|
|
|
|
|
11.7 |
Prüfstatus |
4.12 |
4.11 |
4.7 |
|
|
12 |
Prüfungen |
4.10 |
4.9 |
4.5 |
|
|
13 |
Prüfmittelüberwachung |
4.11 |
4.1 |
4.6 |
|
|
14 |
Lenkung fehlerhafter Produkte |
4.13 |
4.12 |
4.8 |
|
|
15 |
Korrektur- und Vorbeugemaßnahmen |
4.14 |
4.13 |
|
|
|
16 |
Handhabung, Lagerung, Verpackung, |
4.15 |
4.14 |
4.9 |
|
|
|
Konservierung und Versand |
|
|
|
|
|
16.2 |
Wartung |
4.19 |
|
|
|
|
17 |
Lenkung der Dokumente und Daten |
4.5 |
4.4 |
4.3 |
|
|
17.3 |
Lenkung von Qualitätsaufzeichnungen |
4.16 |
4.15 |
4.1 |
|
|
18 |
Schulung |
4.18 |
4.17 |
4.11 |
|
|
19 |
Produktsicherheit |
|
|
|
|
|
20 |
Statistische Methoden |
4.20 |
4.18 |
4.12 |
|
|
|
Lenkung der vom Kunden beigestellten |
4.7 |
4.6 |
|
|
|
|
Produkte |
|
|
|
|
Winfried Glaap, ISO 9000 leichtgemacht,
Hanser Verlag 1996
Die Überarbeitung der Norm zur Version ISO 9000:2000 hat keine Änderungen
erbracht, die an dieser Stelle besprochen werden müssten.
Es gibt noch eine Reihe ergänzender Normen, die im konkreten Einzelfall
durchaus von Bedeutung sein können.
Auf dieser Seite begnüge ich mich mit dem Versuch zu verdeutlichen, dass Qualität
kein Zufall ist, sondern das Ergebnis einer konsequenten Umsetzung des
Qualitätsgedankens des Total Quality Management (TQM).
In der DIN ISO 8402 wird TQM so definiert:
"Eine Führungsmethode einer Organisation, bei welcher Qualität in den
Mittelpunkt gestellt wird, welche auf der Mitwirkung aller ihrer Mitglieder
beruht und welche auf langfristigen Erfolg durch Zufriedenstellung der Abnehmer
und durch Nutzen für die Mitglieder der Organisation und für die Gesellschaft
zielt."
Das sind fast philosophische Worte, deren Umsetzung in der Praxis sehr komplex
sein kann. Über die durch Auditierung überwachten Grundanforderungen an ein
zertifiziertes QM-System hinaus sind nach meiner Erfahrung einige Grundelemente
der praktischen Umsetzung des TQM besonders wichtig:
- Die Analyse interner Abläufe und der Schnittstellen von
Abteilungen oder Bereichen sowie zu externen Stellen;
- die Untersuchung des Verhältnisses von Leistungsvermögen des
Unternehmens und der Kundenansprüche (QFD);
- die Analyse beobachteter oder möglicher Fehler, z. B. durch
FMEA (Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse)
und besonders
- die Installation eines Wissensmanagements, das eine Vernetzung
der Wissenspotenziale und Wissensinhalte sicherstellt.
Über den praktischen Nutzen hinaus werden mit diesen Grundelementen die
Bedingungen für ein zusätzliches, allgemein verfügbares Wissen geschaffen, das
zusammen mit dem Fachwissen Einzelner ein existenziell wichtiges Kapital des
Unternehmens darstellt.
Oliver Lehnert schreibt in der Zeitschrift „wissensmanagement“:
„Schon
in den neunziger Jahren war die Fragestellung: Wie kann Wissen in kürzester
Zeit am richtigen Ort und mit dem notwendigen Aufgabenbezug zur Verfügung
gestellt werden? Auch die Überarbeitung der internationalen Normenreihe zu Qualitätsmanagementsystemen
ISO 9000/2000 und das „Model for Business Excellence" der European
Foundation for Quality Management tragen der wachsenden Bedeutung des Wissens
Rechnung. So wird beispielsweise explizit die Verfügbarkeit von Informationen
gefordert, die zur Durchführung und Überwachung der Geschäftsprozesse benötigt
werden. Die Organisation wird damit aufgefordert, entsprechende
Informationsquellen zu ermitteln und den rechtzeitigen Zugang zu den
Informationen sicherzustellen.“
Und kommt zu dem Schluß:
„Qualitätsmanagement braucht Wissensmanagement und
Wissensmanagement braucht Qualitätsmanagement.“
Beides
Oliver Lehnhard aus „wissensmanagement“, 24.07.2006
Im Allgemeinen wird unter „Wissensmanagement“ die Bereitstellung von Informationen
für die Allgemeinheit durch geeignete Vernetzung, verstanden. Nach meiner
Erfahrung ist dieser Ansatz nicht vollständig.
So reicht es z. B. nicht, nur erlerntes Fachwissen verfügbar zu
machen, sondern auch das Wissen, das sich alle an Arbeits- und Ablaufprozessen
Beteiligten in der täglichen Praxis aneignen, muss einbezogen werden.
Dieses Wissen, man könnte es auch Erfahrungswissen nennen, ist
nur vom Einzelnen situationsbedingt abrufbar. Dieser Vorgang geschieht jedoch
meist unbewusst. Der Einzelne handelt, ohne erklären zu können, warum er so
handelt. Der oft gehörte Satz: "Ich mach das so, weil es so am besten
klappt - warum weiß ich auch nicht", macht vielleicht schon deutlich, was
gemeint ist:
Ich weiß nicht, was ich weiß!
Was aber ist WISSEN? Was weiß man?
Bemerkungen zum Wissensmanagement
"Wenn die Firma wüsste, was sie weiß ..."
... würde vieles besser
und schneller gehen - könnte man ergänzen. Dieser Ausspruch eines Mitarbeiters
eines großen Elektrokonzerns ist zum geflügelten Wort im Qualitätsmanagement
bzw. im Wissensmanagement geworden.
(Im Original wird die Firma
genannt. Hier verkneife ich mir das, weil ich finde, dass die Aussage allgemein
gültig ist.)
Im Wissensmanagement
unterscheidet man bei der Wissensbasis zwischen "Faktenwissen"
(deklaratives Wissen) und "Verarbeitungswissen" (prozedurales
Wissen). Während der Begriff "Faktenwissen" schon fast
selbstinterpretierend ist, liegt dem Begriff "Verarbeitungswissen"
meist ein intuitives Begriffsverständnis zugrunde. Die im Verarbeitungswissen
enthaltenen, distinktiven Prozesse sind sehr komplex strukturiert und daher
Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen der Informationsverarbeitung, der
Psychologie und der Psychometrie.
Ein weites Feld. Zu weit für dieses Essay. Etwas einfacher wird es, wenn - im
Sinne der Intention dieser Arbeit - "prozedurales Wissen" als Wissen
aus der Erfahrung heraus, also als "Erfahrungswissen" begriffen wird.
Die Erfahrung der Mitarbeiter einer Firma, das Erfahrungswissen, ist ein
wichtiger Bestandteil des Wissensbestandes eines Unternehmens. Und weil es
nicht eingekauft werden kann, ist es eine große (oder gar die größte)
Herausforderung für einen Qualitätsbeauftragten, der ´Firma´ bewusst zu machen,
was sie weiß, und damit die Voraussetzung zu schaffen, dass Erfahrungswissen
genutzt werden kann.
Was aber ist ´bewusstes´ Wissen? In der Philosophie ist "Wissen"
nicht einfach nur, von etwas Kenntnis zu haben - etwa das Wissen, welches in
der Schule oder in der Universität vermittelt wird (Faktenwissen). Zum Wissen
gehört Erkenntnis, bewusstes Wissen; wissen, dass man Wissen hat.
Was macht Wissen zur bewussten Erkenntnis? Was erhebt das unbewusste
Erfahrungswissen zur bewussten, nutzbaren Erkenntnis? Der Philosoph Platon
definiert es in der Rede des Sokrates im Theaitetos wie folgt:
"Wenn nun jemand ohne Erklärung eine richtige Vorstellung
von etwas empfinge, so sei zwar seine Seele darüber im Besitz der Wahrheit; sie
erkenne aber nicht. Denn wer nicht Rede stehen und Erklärung geben könne, der
sei ohne Erkenntnis über diesen Gegenstand. Wer aber die Erklärung auch dazu
habe, der sei des allen mächtig und habe alles vollständig zur Erkenntnis
beisammen."
Platon, Theaitetos, 201D–202C
(Die Philosophiekundigen
unter den Lesern mögen mir verzeihen, wenn ich dieses Thema, das sich seit mehr
als 2400 Jahren durch die Philosophiegeschichte zieht, hier nur sehr verkürzt
darstelle.)
Vom Wissen zur Erkenntnis oder von der Routine zum bewussten
Handeln
Viele unserer täglichen Handlungen im Privat- wie im Berufsleben sind Routine
geworden. Routine ist immer wieder angewandtes Wissen (eben Erfahrungswissen),
das nicht mehr hinterfragt wird. Es ist ein interessantes Experiment, sich
einen alltäglichen Handlungsablauf näher zu betrachten. Zu hinterfragen und zu
versuchen, zu erklären, warum dieser Handlungsablauf optimal sein soll, so wie
er ist.
"Denn wer nicht Rede stehen und Erklärung geben könne, der sei ohne
Erkenntnis ...“!
Meine Empfehlung: Die Funktion "Einkauf" ist privat wie beruflich von
großer Bedeutung und von daher im Ergebnis auch besonders interessant. Ein
kleines Beispiel vermag das vielleicht zu verdeutlichen:
Das linke Flussdiagramm zeigt einen vereinfachten Ablauf, wie er im Prinzip
häufig im Einkauf vorkommt. Das rechte Flussdiagramm zeigt einen Ablauf, wie
man ihn sich in einem privaten Haushalt vorstellen kann.


Unabhängig
davon, ob der Betrachter diesen Abläufen zustimmen kann oder nicht, sollte hier
eigentlich deutlich werden, dass auch einfache Vorgänge durchaus komplexe
Strukturen aufweisen können, wenn man sich derer bewußt wird. Nun wird wohl
niemand auf den Gedanken kommen, seine privaten Aktivitäten in Ablaufdiagrammen
darzustellen. Obwohl…!!! Wenn wir uns über ein fehlerhaftes Produkt ärgern oder
nichts Essbares im Kühlschrank finden, fangen wir schon an, uns zu überlegen,
wie wir DAS in Zukunft vermeiden können. Wir begeben uns in eine Fehleranalyse
und denken darüber nach, wenn wir glauben, den Fehler gefunden zu haben, was
wir ändern sollten, um den Fehler erst garnicht mehr begehen zu können.
In einem modernen Unternehmen wird man versuchen, diesen „Leidensdruck“
(es muss erst ein Fehler passieren, ehe man tätig wird) erst gar nicht
aufkommen zu lassen. Das Qualitätsmanagement hat die Aufgabe,
qualitätsrelevante Prozesse zu definieren und zu analysieren, um sie so einem
ständigen Verbesserungsprozess zugänglich zu machen. Dabei ist das bisher
Beschriebene zwar der wichtigste, aber nur der erste Schritt.
Dokumentation und Bewertung
Die Analyse der Ist-Abläufe muss dokumentiert werden. Dazu werden
Ablaufbeschreibung (ggf. mit Ablaufdiagramm) und eine Bewertung der
Qualitätsrelevanz und der Funktion erstellt. Dann werden Verbesserungspotenzial
und Verbesserungsnotwendigkeit festgestellt und ggf. Verbesserungsmaßnahmen
eingeleitet. In der (meiner) Praxis kommt hier häufig das standardisierte
Verfahren der Fehler-Möglichkeits- und Einfluss-Analyse
zur Anwendung (FMEA), aber auch andere, sog. „management tools“ sind je nach
Anwendungsfall sinnvoll.
Erst mit einer aktuellen Dokumentation und Bewertung ist ein
kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP) möglich und sind Fehleranalysen
sinnvoll und wirksam.
Vernetzung und Informationsfluss
Da ich mich in
meiner beruflichen Praxis oft und viel für eine Vernetzung der versch.
Wissenspotentiale und -quellen eingesetzt habe, möchte ich ein wenig aus der
Praxis plaudern.
In Forschung und Entwicklung wird im Rahmen einer Projektarbeit nicht nur
vorhandenes Wissen aus unterschiedlichen Quellen gesammelt und verwendet,
sondern letztlich auch neues Wissen erarbeitet.
Es gibt Projektabschlussberichte, die, wenn sie ein produzierbares Produkt als
Ergebnis beschrieben, mit der Dokumentation von Freigabeserien abgelegt wurden
(bei Machbarkeitsprojekten der Forschung war selbst das nicht immer der Fall).
Abgelegt (als SW-Doku oder elektronisch), aber nicht unbedingt für die Nachwelt
aufbereitet zur Verfügung gestellt. Es wurden zwar Abschlussberichte,
Zwischenberichte, Labornotizen von Versuchen und Ergebnissen, Prüfprotokolle
und Besprechungsprotokolle in Aktenordnern oder in elektronischen Datei-Ordnern
abgelegt, aber eben nicht in Wissensdatenbanken erfasst. Schon im nächsten
Projekt war daher der Zugriff für den Projektleiter erschwert, wenn er sich
überhaupt daran erinnern konnte, dass es ein Projekt mit ähnlichem Thema
bereits gegeben hatte.
Die Projektplanung für Folgeprojekte sah daher eine Durchforstung des „Archivs“
auch gar nicht vor (häufig vertretene Meinung: „Zeitvergeudung“). Im Sinne
eines Qualitätsmanagements war das nicht, und mit Wissensmanagement hatte es
gar nichts zu tun.
Der Aufbau von vernetzten Datenbanken, die eine Stichwortsuche in Patenten, Berichten
und Protokollen erlauben, wurde öfters angefangen, aber immer aus „Zeitgründen“
aufgegeben. Leider, wie sich später zeigte.
Ein Grund mehr, mich immer wieder für eine Verquickung von Qualitäts- und
Wissensmanagement einzusetzen.
Da die Seite „Schmelzleiter“
weder Qualitäts- noch Wissensmanagement, sondern Schmelzsicherungen in der
Elektronik zum zentralen Thema hat, möchte ich meine Ausführungen im Folgenden
darauf konzentrieren.
(Zu einer Beantwortung von
Fragen oder zu einer Diskussion bin ich jedoch jederzeit bereit und freue mich
bereits darauf.)
Bedeutung von
Qualitäts- und Wissensmanagement für
Schmelzsicherungen
Schmelz-
oder Gerätesicherungen – oder Feinsicherungen – sind i. d. Regel einfache
Gebilde. Gerätesicherungen – ein Glas- oder Keramikröhrchen mit zwei Anschlusskappen
und einem Schmelzdraht dazwischen – machen dann auch eher den Eindruck einer „Sollbruchstelle“.
So oder so ähnlich mag sie sich Edison vor mehr als 100 Jahren vorgestellt
haben. Warum die Anwendung der eher komplexen Strategien des Qualitäts- und
Wissensmanagements dennoch in der Entwicklung und Produktion von
Schmelzsicherungen nicht übertrieben ist, sollen die folgenden Ausführungen
deutlich machen.
„Schmelzsicherungen
müssen funktionieren, wenn sie es sollen und sich ansonsten nicht bemerkbar machen.“
So die weitverbreitete Meinung von Anwendern. Das ist auch richtig. Eine
Schmelzsicherung soll im Fehlerfall den Verbraucher irreversibel durch
Schmelzen des Schmelzdrahtes von der Stromquelle trennen. Das ist weitgehend in
einschlägigen Normen definiert und wird normalerweise von allen Bauteilen auch
eingehalten.
Punkt!
Thema beendet?
Nein, Thema nicht beendet. Das Thema wird erheblich vielschichtiger, wenn man
die Anwendermeinung um das erweitert, was stillschweigend vorausgesetzt wird: Eine
Sicherung muss funktionieren in „allen Fehlerfällen“, und sie muss
dies tun, ohne ihre Umgebung zu gefährden.
Genau
da liegt das Problem: in „allen Fehlerfällen“ – das ist
schlicht nicht möglich. Zum besseren Verständnis sei hier eine kurze
theoretische Betrachtung zur grundsätzlichen Funktion einer Schmelzsicherung
vorweggenommen:
In jedem stromdurchflossenen
el. Widerstand wird Leistung [P] umgesetzt und u. A. eine Wärmemenge [Q]
erzeugt.
Dabei verhält sich das
Produkt aus Strom und Widerstand (Leistung P = I2*R) proportional
zur erzeugten Wärme. Der Schmelzleiter der Sicherung ist in diesem System von
Schmelzleiter, Gehäuse, Füllmedium und Anschlüssen der dominante el.
Widerstand. Wird er von Strom durchflossen, wird die in ihm erzeugte Wärme an
das System abgegeben und/oder akkumuliert. Der Grad der Wärmeakkumulation
wiederum ist umgekehrt proportional zur Schmelzzeit und hängt stark von den
Möglichkeiten des Schmelzleiters ab, seine Wärme an das System abzugeben. Dabei
ist neben Konvektion und Strahlung die Wärmeleitung über Wärmewiderstände und
-kapazitäten maßgebend. Was mit der erzeugten Wärme geschieht, wohin sie fließt
und/oder ob sie akkumuliert wird, nennt man den „Wärmehaushalt“. Der Begriff Wärmehaushalt
ist eine einfache Bezeichnung für ein äußerst komplexes, interdependentes
System, das im Wesentlichen aus Wärmewiderständen und Wärmekapazitäten besteht.
Unterschiede der
Kontaktierung Schmelzdraht/Sicherungskontakt oder Sicherungskontakt/Elektronik
sowie Streuungen der Wärmespeicher-Füllmenge oder Lotmenge in der Sicherung
können zu starken Streuungen des Wärmehaushalts führen und damit den
Überlastbereich der Strom-Zeit-Kennlinie (LT-Kennlinie) zur einen oder anderen
Seite aus dem zu schützenden Bereich schieben.
Der Bereich rechts der Kennlinie ist der
Bereich, der durch die Sicherung geschützt wird. Der rote Pfeil zeigt die Verschiebungsrichtung
der Kennlinie im oberen Bereich an. Wobei die Größe des Pfeils nicht unbedingt
ein Maß für den Grad der Verschiebung ist. Ein Beispiel kann das deutlich
machen: Eine größere Lotmenge in der Kappe der Gerätesicherung führt dazu, dass
die Kennlinie im Überstrombereich nach rechts geschoben wird. Die Sicherung
schaltet bei 2,1*In später oder nicht mehr ab. Eine kleinere Lotmenge in den
Kappen der Sicherung verschiebt die Kennlinie nach links. Die Sicherung
schaltet bei 2,1*In bereits nach wenigen Sekunden ab.
Diese Streuungen sind
weitgehend fertigungsbedingt. Von Sicherung zu Sicherung können
unterschiedliche Mengen oder Körnungen des Füllmediums auftreten. Lötstellen
zwischen Schmelzdraht und Kontakt können verschiedene Übergangswiderstände
und/oder Lotmengen haben. Der Schmelzdraht selbst kann inhomogen und mit
schwachen Engstellen ausgeprägt sein,
und nicht zuletzt kann die Kontaktierung zur Platine oder zum Halter mehr oder
weniger gut sein.
All das wirkt sich auf den kleinsten
Abschaltstrom der Sicherung, den „Grenzstrom“ (der Strom, bei dem gilt Qzu=Qab
= einem ausgeglichenen Wärmehaushalt und bei dem die Sicherung bei der
geringsten Laststromerhöhung irgendwann abschaltet), aus. Und damit auf den
gesamten Überstrombereich und z. T. auch auf den Kurzschlussbereich der
LT-Kennlinie.
Ob und wann die Sicherung
zum Sicherheitsrisiko werden kann, soll Thema unseres kleinen Theorieteils an
anderer Stelle sein. Doch in diesem relativ undefinierten Bereich kann sie ein
Sicherheitsrisiko sein.
Das Problem: Eine Kontrolle
des Wärmehaushalts der Sicherung ist in der produktionsbegleitenden Prüfung
kaum möglich.
Alle in der Produktion und
der Qualitätssicherung durchgeführten Prüfungen sind lediglich Korrelate des
Grenzstroms. Zum Beispiel:
Die Widerstandsprüfung.
Die Widerstandskontrolle,
also die Kontrolle der "Wärmequelle", ist zwar als 100 %-Prüfung
möglich, die gewonnene Information jedoch nur bedingt brauchbar. Der Widerstand
einer Geräteschmelzsicherung setzt sich aus verschieden Teilwerten (Schmelzdraht
+ Kontaktwiderstände + Kontaktmaterial) zusammen. Im ungünstigsten Fall (besonders
bei den niederohmigen, hohen Nennströmen) können sich Fehlerwerte kompensieren.
Bei Wickelschmelzleitern können z. B. widerstandsreduzierende Windungsschlüsse
durch erhöhte Kontaktwiderstände an den Lötstellen ausgeglichen werden.
Resultat: Der Widerstand der Sicherung ist im Soll, die Kennlinie aber zum
höheren Grenzstrom verschoben, was ggf. zum Sicherheitsfehler werden kann. Auch
wenn eine geringe Streuung der Widerstandswerte in der Produktion gewährleistet
werden kann (O. Ackermann nennt das in seiner Schrift „Warum Gerätesicherungen“,
Wickmann 1936 die Gleichmäßigkeit oder die Güte der Sicherungen), ist der
statisch gemessene Widerstand nur der Faktor eines eingeschwungenen
Wärmehaushalts (die Quelle). Abschaltvorgänge sind dynamisch!!!
Fertigungsbegleitende,
zerstörende Abschalt-Prüfungen:
Eine zerstörende
Abschalt-Prüfung als 100 %-Stückprüfung ist nun mal nicht möglich. Es kann nur
eine statistisch relevante Stichprobe geprüft werden. Dabei wird in der Praxis
oft ein Kompromiss zwischen Prüfdauer bzw. möglicher Prüfhäufigkeit und
Prüfmenge gewählt. Eine Abschaltprüfung im Grenzstrombereich (i. d. R. etwa 70%
über dem def. Nennstrom) ist mit mehreren Minuten Dauer zwar sehr aussagefähig,
aber in einer Massenfertigung zu zeitaufwendig.
Eine Prüfung mit höheren
Prüfströmen führt zu kurzen Prüfzeiten, reduziert aber auch die Verwertbarkeit
der Aussage. Dieser Mangel wird oft durch höheren Stichprobenumfang,
gesteigerte Prüfhäufigkeit und geeignete statistische Methoden bei der Auswertung
kompensiert. Die bei Wickmann erprobte „Rampenprüfung“ – die Sicherungen werden
mit stetig steigendem Strom beaufschlagt und der Abschaltpunkt erfasst – konnte
sich wg. scheinbar schlechter Korrelation zur Kennlinie in der Produktion nicht
durchsetzen.
Eine Prüfung nach Norm, wie
sie von vielen Herstellern durchgeführt wird, ist im Allgemeinen völlig
ungeeignet. Daher:
Fertigungsbegleitende
Prüfungen nach Norm:
Gibt es nicht?
Art und Umfang der Prüfungen
nach Norm sind i. d. R. für Typ-Prüfungen ausgelegt und selbst da nur als
Mindeststandard gedacht. Für Geräte-Feinsicherungen und Miniatursicherungen
(Bauform TR/TE oder Chip-Sicherungen) gilt die Basis-Norm EN 60127-1:2006 (bzw.
die IEC 127-1).
Die unter den Punkten
7.2
Typprüfungen
9.4
Dauerprüfungen
9.5
Maximale Verlustleistung
9.7
Temperatur der Sicherungseinsätze
beschriebenen Tests prüfen
den Wärmehaushalt der Sicherung und sind als fertigungsbegleitende Prüfungen
(schon wegen des z.T. hohen Zeitaufwandes) nicht geeignet. Sie werden als
Freigabetests für neue Bauteile – oder mit reduzierter Stückzahl – als jährliche
Wiederholungsprüfungen – durchgeführt. Schwankungen der Produktions- und/oder
Prozessbedingungen werden so i. d. R. nicht erfasst.
Hier deutet sich an, dass
das oben beschriebene Qualitätsmanagement, welches alle Bedingungen, die bei
der Produktfreigabe aktuell waren, festschreibt und bei Änderungen dieser
Bedingungen (z. B. Vormaterialwechsel, Änderungen oder Austausch von
Fertigungseinrichtungen, neues Personal usw.)
entsprechende Wiederholungsprüfungen veranlasst, von fast
lebensnotwendiger Bedeutung ist.
Ein gut organisiertes
Wissensmanagement sorgt dafür, dass im Prozess gemachte Erfahrungen
dokumentiert werden und so erhalten bleiben. Damit sie ausgewertet werden und
so zu Produktverbesserungen genutzt werden können. Was natürlich wieder neue
Typprüfungen notwendig macht.
Darüber hinaus stellt das
Wissensmanagement sicher, dass Erfahrungen in der Fertigung und Ergebnisse von
Prüfungen, die außerhalb der Normprüfungen durchgeführt werden (z. B.
Fehlermanagement und beim Kunden durchgeführte Versuche), ebenfalls in eine
Produktoptimierung einfließen können. So wird in der Norm z. B. unter Punkt 9.6
Impulsprüfung vorgeben, aber die ggf. daraus resultierenden Veränderungen im
oder am Produkt und deren Auswirkungen werden nicht überprüft. Veränderungen,
die u. U. die Sicherung zum Sicherheitsrisiko werden lassen können.
Halten wir also fest:
Der beherrschte
Wärmehaushalt einer Sicherung ist das Charakteristikum, das aus einer
Sollbruchstelle eine Sicherung macht. Ihn zu optimieren, ist Aufgabe einer
Konstruktion, die in der Produktentwicklung festgelegt und getestet wird. Dabei
sollten auch soweit machbar Grenzmuster, die mögliche Material- und
Fertigungsschwankungen repräsentieren, in statistisch relevanter Menge geprüft
werden.
Der Aufwand, der bei
solchen, auch über die Norm hinausgehenden Prüfungen betrieben wird, ist recht
hoch, aber vielfach üblich, wie die folgenden Bilder zeigen:

aus „Electric
Fuses“ von H. W. Baxter, London 1950 Wickmann-Testlabor
der Produktentwicklung 2003
Der
Aufwand, den beide Bilder dokumentieren, ist in beiden Fällen beeindruckend.
Links ein Bild aus dem Jahr 1953 und rechts aus dem Jahr 2003. Die Geräte sind
moderner, der aufwendige Prüfaufbau vergleichbar.
Es zeigt aber auch deutlich, wie wichtig und wie ernst die Beherrschung des Wärmehaushalts
genommen wird. In einem Vortrag von O. Ackermann – „Die Absicherung elektrischer
Anlagen in Luftfahrzeugen“, Wickmann 1936 – klingt diese Problematik kurz an:„
… Nennstromaufnahme + zusätzliche,
geringste schädliche Stromaufnahme = Abschmelzstrom der Gerätesicherung …“
Dennoch ist das Charakteristikum Grenzstrom in den Datenblättern und (oft) auch
bei der Kundenberatung kein Thema. Das war für kurze Zeit einmal anders. Das folgende
Foto zeigt eine Tabelle, aus der Kundenschrift von Hermann Bellen, „Die Gerätesicherung“,
Wickmann 1955:

Bereits
in der DIN-Normen-Reihe 41571 aus dem Jahr 1953 wird die Bestimmung des
Grenzstromes jedoch nicht mehr vorgegeben. Die 1943 erschienene VDE-Norm 0820
wird wahrscheinlich die Überprüfung des Grenzstromverhaltens beinhalten (wie
aktuell auch), aber die Dokumentation für extern nicht vorschreiben. Die
technischen Angaben der DIN 41571 wurden aus der DIN 49398 übertragen
(Lamellensicherung in Steckdosen) und die Prüfvorgaben aus der VDE 0610 (Quelle:
Hermann Bellen, „Die Gerätesicherung“, Wickmann 1955).
Eine Begründung, warum das Grenzstromverhalten nach außen nicht kommuniziert
wurde und wird, ist nicht angegeben. Wahrscheinlicher Grund ist zum einen, weil
der Grenzstrom stark schwanken kann, und zum anderen, weil in die VDE und die DIN-Norm
Inhalte aus verschiedenen Normen – von der Flugzeugsicherung (FL-Blatt 32714) über
Leitungssicherungen bis zur Lamellensicherung – eingeflossen sind. Zudem können
die individuellen Unterschiede der Sicherungen wegen der starken Abhängigkeit
von Einsatz und Betrieb der Sicherung sehr groß sein. Aus dem Grenzstrom wurde
der maximale Haltestrom und der minimale Abschaltstrom.
Außerdem werden Prüfungen, um eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu sichern,
stark standardisiert. Prüfaufbauten und Prüfhalter entsprechen kaum den
tatsächlichen Praxisbedingungen, so dass ein bestimmtes, festgestelltes
Grenzstromverhalten in der Praxis kaum beobachtet werden kann. Umgekehrt kann
in der Praxis ein Grenzstromverhalten vorkommen, dass in der Prüfung nicht
feststellbar war oder ist und von daher unbekannte Sicherheitsrisiken enthalten
kann.
Es
ist die Aufgabe des Anwenders, eine Risikoabschätzung der Sicherungsfunktion in
seiner Anwendung zu erstellen. Dabei muss der Sicherungshersteller in die FMEA
einbezogen werden.
Trotzalledem:
Nicht jede Material-, Fertigungs- oder Personalschwankung ist in einer FMEA
erfassbar. Besonders Produktveränderungen, die durch spezifische
Betriebsbedingungen der Sicherung hervorgerufen werden, sind häufig kaum
bekannt oder werden ignoriert.
Die
folgenden Beispiele, wie Sicherungen zum Sicherheitsrisiko werden können,
sollen das belegen:
Wird fortgesetzt!!!!!